Futtertrocknung Lamerdingen eG: Vom Halm über Insekten zur Wärme - Kaskadennutzung von Extensivgras
Ausgangssituation
Als eingetragene Genossenschaft mit über 600 Mitgliedern bietet die Futtertrocknung Lamerdingen hochwertige Leistungen im Bereich der Futtertrocknung an. Das von den landwirtschaftlichen Betrieben gelieferte Material wie Gras, Luzerne, Mais und Stroh wird zu Futtermitteln in Form von Cobs oder Ballen veredelt, konserviert und vermarktet.
Im Zuge des Strukturwandels in der Landwirtschaft und der rückläufigen Tierhaltung nimmt die Extensivierung von Grünland zu. Dadurch steigt der Anteil an Material, dass für die klassische Fütterung nur eingeschränkt geeignet und häufig ungenutzt bleibt. Insbesondere für rohfaserreiches Extensivgras bestehen derzeit kaum wirtschaftliche Verwertungs- und Vermarktungsmöglichkeiten.
Vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an eine regionale Eiweißversorgung gewinnt die heimische Produktion zunehmend an Bedeutung. In diesem Zusammenhang etabliert sich die Insektenmast als innovativer Betriebszweig: Insekten sind in der Lage, faserreiche Biomasse effizient in hochwertiges Protein umzuwandeln und leisten damit einen Beitrag zur nachhaltigen Futtermittelproduktion. Der Einsatz von Insektenprotein in der Tierfütterung kann zudem die Tiergesundheit und das Tierwohl positiv beeinflussen.
Gleichzeitig steht die Genossenschaft vor der Aufgabe, ihren Energiebedarf langfristig klimaneutral zu decken und fossile Energieträger zu ersetzen.
Die Idee
Die Idee der Genossenschaftsakteure verknüpft diese Herausforderungen in einem Kaskadesystem: Das pelletierte Extensivgras wird zunächst als Futter in der Insektenmast eingesetzt. Die dabei anfallenden Reststoffe und Exkremente sollen anschließend mittels Pyrolyse in einen hochwertigen, klimafreundlichen Energieträger umgewandelt werden. Dieser Rohstoff wird zur Energieversorgung der Trocknungsanlage eingesetzt und trägt zu einem weitgehend energieautarken Betrieb bei. Außerhalb der Hauptsaison kann überschüssige Energie zudem an kommunale Einrichtungen abgegeben werden.
Von der Idee zur Innovation
- Analyse von Mengen, Qualität und Verfügbarkeit von Extensivgras und Landschaftspflegematerial sowie Entwicklung erster Logistikkonzepte
- Technische Versuche zur Pelletierung von Extensivgras und Landschaftspflegematerial
- Durchführung von Futtertests in Kooperation mit einem Betreiber einer Insektenmastanlage
- Untersuchung und Bewertung des Insektenmists hinsichtlich seiner energetischen Verwertbarkeit
- Durchführung von Pyrolysetests sowie Analyse der Brennstoffqualität von Extensivgraspellets
- Fachlicher Austausch mit Hochschulen, Experten aus der Energiewirtschaft und zuständigen Genehmigungsbehörden
In 10 Jahren …
„…soll die Kaskadennutzung fester Bestandteil unseres Geschäftsmodells sein, mit einem ausgereiften Verfahren, dass regional erzeugtes Extensivgras vollständige verwertet: als Futtergrundlage in der Insektenmast, als Brennstoff und zur Wärmeerzeugung für unsere Produktion. Ziel ist ein energieautarker Betrieb, der wirtschaftlich arbeitet und einen messbaren Beitrag zu Klima- und Naturschutz leistet. Das Konzept soll auf andere Regionen und Trocknungsanlage übertragbar sein und ein Netzwerk von Akteuren aus der Landwirtschaft, Kommunen und Energiewirtschaft für die Übertragung aufgebaut werden."
