NABU Edertal e.V.: Stoffliche und energetische Verwertung von kommunalem Grüngut
Ausgangssituation
Angela Odenhardt ist Wildbienen-Liebhaberin und ehrenamtlich tätig beim NABU Edertal. Schon lange beobachtet und erfasst sie den Rückgang blüten- und artenreicher Grünflächen in ihrer Kommune. Es gibt immer weniger Tierhalter, die das Wiesengras mähen und verfüttern und die Wegraine werden von der Kommune aus Kostengründen häufig gemulcht. Das Mahdgut von weiteren öffentlichen Grünflächen wie Spielplätze und Parks muss als Bioabfall entsorgt werden und wird kostenpflichtig kompostiert.
Daran soll sich etwas ändern! Angela Odenhardt recherchierte nach Lösungen, wie das Mahdgut verwertet werden kann, damit es einen größeren und auch wirtschaftlichen Nutzen hat und dadurch die Pflege der Flächen finanziert und die Biodiversität gefördert werden kann.
Seit 2021 gehört die Nationalparkgemeinde Edertal zum Aktionsbündnis „Hessen aktiv: Die Klimakommunen“. Gemeinsam mit den Nachbargemeinden und dem Landkreis gibt es eine Gruppe von Klimamanagern, die an der Umsetzung der Klimaneutralität bis 2050 arbeitet. So wollen sie zum Beispiel auf fossile Brennstoffe zum Beheizen öffentlicher Einrichtungen verzichten und suchen Alternativen.
Idee
Der kommunale Rasenschnitt, das Landschaftspflegematerial und Mahdgut der Wegraine soll in einer Pyrolyseanlage zu Pflanzenkohle verarbeitet werden. Diese soll als klimaneutraler Betonzusatz verkauft werden. Damit dient er als Kohlenstoffsenke und die Kommune generiert Einnahmen, um die Pflege artenreicher Grünflächen zu gewährleisten. Die bei der Pyrolyse entstehende Abwärme kann für ein regionales Trocknungswerk oder kommunale Einrichtung, wie das Schwimmbad genutzt werden.
Von der Idee zur Innovation
- Kommunale Arbeitsgruppe mit beteiligten Akteuren hat sich bereits gebildet
- Erfassung der kommunalen Biomasse und ihrer Merkmale erfolgt bereits
- Recherche und Erfahrungsaustausch zu Pyrolysetechnik ist im Gang
- Vernetzung mit anderen Kommunen erfolgt bereits
- Laboruntersuchungen der Inhaltsstoffe der Biomasse und Pyrolysetests
- Machbarkeitsstudie für eine Pyrolyseanlage
In 10 Jahren …
"…gibt es in Waldeck-Frankenberg eine Pyrolyseanlage für Gras. Mit den klimaneutralen Pflastersteinen aus der Pflanzenkohle werden Plätze gepflastert. Die Abwärme der Pyrolyseanlage wird zum Beheizen des Schwimmbades genutzt. Mehr Kommunen mähen die Wegraine statt zu mulchen. Die Wiesen, Parks, Wegränder sind blüten- und insektenreich. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Netzwerke und Kooperationen in Waldeck-Frankenberg“ aus Landwirten, Vertretern der Kommune, des Naturschutzes und die Klimamanager reisen durch Deutschland, um mehr Menschen von der Idee zu überzeugen. Weitere Verwendungsmöglichkeiten für Gras sind durch die Forschung auf dem Weg zur Anwendung.“
